von Andreas
•
30. Oktober 2026
In Michelsdorf gibt es Nächte, die anders sind als alle anderen – Nächte, in denen der Nebel schwer über den Feldern liegt und die Dunkelheit sich wie ein weiches Tuch über das Dorf legt. Genau dieses Wetter lieben sie: die Geister von Michelsdorf. Wenn der Wind nur noch ein Flüstern ist und die Schatten länger werden, schleichen sie aus allen Ecken hervor. Große und kleine Geister, mit raschelnden Gewändern und leise schaukelnden Laternen, ziehen durch die Gassen. Ihr Ziel ist wie jedes Jahr derselbe Ort: der Kulturhof, mitten im Herzen des Dorfes. Dort hat der Kultur- und Heimatverein schon seit Stunden gewerkelt. Für Zombies, Hexen und allerlei schauriges Gesocks wurde der Hof in ein kleines Reich des Gruselns verwandelt. Ein Feuer knistert für das Stockbrot, dessen Duft sich mit dem Nebel mischt. Das Märchenzelt steht bereit – gefüllt mit Geschichten, die selbst den mutigsten Geist kurz innehalten lassen. Und im Hexenhaus warten geheimnisvolle Kisten voller grausiger Dinge, die man ertasten kann, wenn man sich traut. Für die durstigen Seelen gibt es Essen und Trinken, warm und wohltuend. Auf der Feuertonne brutzeln knusprige Kartoffelpuffer, deren goldene Ränder im Schein der Flammen glitzern. Und dann, wenn die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht, geschieht das, worauf alle gewartet haben: Wie jedes Jahr kommt der Spielmannzug aus Neuseddin. Die Trommeln hallen durch die Nacht, die Fanfaren schneiden durch den Nebel, und die kleinen Geister mit ihren Laternen schließen sich an. Gemeinsam ziehen sie ihre Runden durch Michelsdorf – ein leuchtender, fröhlich-gruseliger Zug, der das ganze Dorf für einen Abend in eine andere Welt verwandelt. Doch in diesem Jahr gab es noch ein besonderes Schauspiel: Mit musikalischer Unterstützung der TheaterGäng zog der Drache aus dem Tornow über die Feststätte. Die Kinder hielten sich am langen Drachenschwanz fest und folgten ihm lachend und staunend durch das Gewusel der Geister – ein farbenfroher Zug mitten im schaurigen Treiben. Die Spiele vom Tischler Matthias wurden von den Geistern regelrecht okkupiert. Große und kleine Spukgestalten testeten sie ausgiebig, lachten, wetteiferten und freuten sich über die süßen Preise, die es zu gewinnen gab. Möglich gemacht wurde all dies von vielen fleißigen Geistern: dem Kulturverein, der Mandolinengruppe, der Theatergruppe und der technischen Unterstützung des Lehniner Carnevalvereins. Sie alle hatten gewerkelt, vorbereitet und mit Herzblut dafür gesorgt, dass Michelsdorf erneut eine unvergessliche Halloween-Nacht erleben konnte. Bevor die großen und kleinen Geister wieder in ihre Verstecke zurück schlichen, gab es zum Abschluss ein buntes Sternespektakel. Farben sprühten in den Himmel, Funken tanzten über den Kulturhof, und für einen Moment schien es, als würden selbst die Nebelgeister staunend innehalten. So endete die Nacht – magisch, geheimnisvoll und voller Geschichten, die Michelsdorf noch lange begleiten werden.